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von TORSTEN BEULEN (BLICKPUNKT
AM SONNTAG)
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Besuch bei der Ultraleicht-Fluggruppe "Nordeifel" in Müggenhausen
- Großes Wiesenfest am 8. und 9. August
Kreis Euskirchen/Müggenhausen. Der Traum vom Fliegen ist
so alt wie die Menschheit. In der Nähe von Weilerswist geht dieser
Wunsch fast täglich in Erfüllung. Dort, in der Nähe von Müggenhausen
zwischen Schwarzmaar und Vernich, haben vor etwa anderthalb Jahrzehnten
die Mitglieder der Ultraleicht-Fluggruppe "Nordeifel" eine Heimat
gefunden. Rund 100 Mitglieder zählt der 1983 gegründete Verein heute,
70 davon sind im Besitz der zum Führen eines Ultraleichtflugzeuges
notwendigen Sportpilotenlizenz.
BLICKPUNKT AM SONNTAG-Redakteur Torsten Beulen hat den Müggenhausener
Ultraleichtfliegern einen Besuch abgestattet und kam dabei auch
in den Genuss eines Fluges über seine Heimat. Vor allem aber konnte
er feststellen, dass dieser Verein alles andere als ein elitäres
Häufchen ist.
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Blick
auf Euskirchen aus dem Ultraleicht-Flugzeug von Werner Karg:
Im Vordergrund sind Kaufhof, Herz-Jesu-Kirche, Veybach- Center
und Parkhotel zu sehen und am oberen Bildrand - von Wald umgeben
- das Marien-Hospital.
FOTO: TORSTEN BEULEN
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Ich lieg gern im Gras und schau zum Himmel rauf. Schaun die ganzen
die Wolken nicht lustig aus? Und fliegt ein Flieger vorbei, dann
wink ich zu ihm rauf. So wie "Tim Toupet" es in seinem "Fliegerlied"
beschreibt, dürfte es Werner Karg damals auch gegangen sein. Der
Vorsitzende der Ultraleicht-Fluggruppe "Nordeifel" beschreibt die
Art und Weise, wie er die Faszination fürs Fliegen entdeckt hat
so: "An den Himmel schauen und schön finden!"
Karg fand die Idee, sich frei wie ein Vogel im Wind bewegen zu können,
derart faszinierend, dass er die Sportpilotenlizenz und ein Flugzeug
erwarb und seither, wann immer Zeit und Lust und nicht zuletzt das
Wetter es zulassen, in die Lüfte steigt. Entsprechend gerne hat
der 57-jährige Flamersheimer auch die Anfrage aus der BLICKPUNKT
AM SONNTAG-Redaktion, ob man denn einmal mitfliegen dürfe, positiv
beantwortet.
Doch bevor wir abheben, gibt es eine kleine Einführung in die Luftfahrt
und das Ultraleichtfliegen.
Als Ultraleichtflugzeuge (UL) bezeichnet man kleine, sehr leichte
Flugzeuge für maximal zwei Personen, deren maximale Abflugmasse
- also das Gewicht von Maschine, Insassen und allem, was sonst noch
so mit in die Luft geht - nicht mehr 472,5 Kilogramm betragen darf.
Die einzelnen UL-Typen sind sehr unterschiedlich. Man unterscheidet
- je nach Anordnung der Tragflächen - zwischen Hoch-, Tief- und
Doppeldeckern. Diese Modelle unterscheiden sich allenfalls in punkto
Größe von "richtigen" Flugzeugen. Es gibt aber auch so genannte
Trikes, die ein wenig an einen motorisierten Gleitschirmflieger
erinnern, und eine Tragschrauber genannte, abgespeckte Version eines
Hubschraubers.
Bei Werner Kargs Maschine handelt es sich um einen Hochdecker. Sie
bringt gerade mal 280 Kilogramm auf die Waage, ist aber dennoch
mit allem ausgestattet, was für eine reibungslose Navigation vonnöten
ist.
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So oft es Zeit und Wetter
zulassen steigt Werner Karg in seine Maschine und schwebt gen
Himmel. Voraussetzung für Start und Landung ist jedoch die Gewährleistung
der Flugsicherung auf dem Flugplatz.
FOTO: TORSTEN BEULEN
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Und: Das Teil hat einen Fallschirm! Eine Rakete katapultiert ihn
im Notfall in die Luft. Mit sechs Metern pro Sekunde schwebt der
Ultraleichtflieger dann "relativ" sicher zu Boden. Zwar könne das
Fahrwerk beim Aufprall in Mitleidenschaft gezogen werden, "aber
in der Regel überlebt man den Absturz", sagt Werner Karg. Gut zu
wissen!
Wir rollen auf die Start- und Landebahn. Die konnte in diesem Jahr
- nach langem Hin und Her mit den zuständigen Behörden - auf 500
Meter verlängert werden und ist damit fast doppelt so lang wie bisher.
Ein großer Vorteil, wenn man Komplikationen bemerkt. "Dann bleibt
noch genug Platz zum Ausrollen", sagt Karg.
Unser Start verläuft aber ohne Probleme. Nach einem kurzen Sprint
über die grasbewachsene Piste erhebt sich die Maschine in die Luft
und gewinnt schnell an Höhe. Und an Fluggeschwindigkeit.
Doch die 130 Stundenkilometer, mit denen wir an Vernich und Derkum
vorbei Richtung Zülpich fliegen, bemerkt man nicht. Etwa 1000 Fuß;
- umgerechnet rund 300 Meter - beträgt unsere Flughöhe, als wir
über dem Zülpicher See kreisen und dann gen Euskirchen weiterfliegen.
Die eine oder andere Turbulenz, in die wir auf dem Flug geraten,
tariert Werner Karg routiniert aus. Und wenn schon: Die herrliche
Aussicht auf die Heimat hat die anfängliche Skepsis, mit einem derart
kleinen Flugzeug zu fliegen, längst vergessen lassen. Spontan entschließt
sich Pilot Werner Karg noch zu einem Abstecher zum Schloss Miel
und dem idyllisch gelegenen Golfplatz im Schlosspark. Doch die Zeit
vergeht sprichwörtlich wie im Flug, und nach gut einer halben Stunde
hat uns die Erde wieder. Die Landung auf der Graspiste ist butterweich.
"Besser hätte das ein 'richtiger' Pilot auch nicht machen können",
entfährt es mir spontan. Karg entgegnet dem Lob mit einem leicht
geschmeichelten "Dankeschön".
Anschließend führt mich der Vorsitzende durch das Vereinsheim, das
die Mitglieder nahezu komplett in Eigenleistung errichtet haben.
Prunkstück ist seit Kurzem der neu errichtete Tower. Benannt wurde
das Bauwerk nach seinem Stifter Willy Daufenbach. Vom Tower aus
ist das komplette Fluggelände einsehbar. Bisher saß die Flugsicherung,
die bei jedem Start und bei jeder Landung auf dem Flugplatz gewährleistet
sein muss, in einem ebenerdigen Raum. Von Rundumsicht konnte dort
keine Rede sein. "Durch den Tower können wir unseren Flugbetrieb
nun professionell unterhalten", sagt Werner Karg.
An die 100 Mitglieder zählt die Ultraleicht-Fluggruppe "Nordeifel"
zurzeit. Viele kommen aus der Region, einige aber auch zum Beispiel
aus Bonn, Düsseldorf oder Wuppertal. Ein elitärer Verein sind die
Müggenhausener Ultraleichtflieger jedoch keineswegs. "Wir sind eng
verwurzelt mit den Vereinen in unserer Nähe", sagt Werner Karg.
Unter anderem ist der Verein Mitglied in der Dorfvereinsgemeinschaft
Weilerswist und in der Dorfgemeinschaft Müggenhausen-Neukirchen-Schwarzmaar.
Auch zur Weilerswister Narrenzunft und zu den Karnevalisten aus
Müggenhausen unterhalten die Ultraleichtflieger gute Kontakte. Wenn
die befreundeten Vereine feiern, sind in der Regel auch die Ultraleichtflieger
dabei.
Und einmal im Jahr wird auch auf dem Flugplatz gefeiert. Beim Wiesenfest,
das diesmal am 8. und 9. August stattfindet, wollen sie "Ultraleicht
zum Anfassen" präsentieren. Die gesamte Palette rund ums ultraleichte
Fliegen wird dann gezeigt. Alle Flugzeugtypen werden im Flug zu
sehen sein und dabei von einem Moderator erklärt.
Überhaupt wird Information an diesen Tagen ganz groß geschrieben:
Alle Mitglieder geben den Besuchern gerne Auskunft über alle Fragen
zu Fluggeräten und zum Fliegen. Einige Flugzeuge werden auch am
Boden stehen und von fachkundigen Mitgliedern erklärt. Zusätzlich
ist ein Informationsstand eingerichtet, an dem Interessenten alles
über die Ausbildung zum Ultraleicht-Piloten erfahren können.
An beiden Tagen, samstags ab 14 Uhr und sonntags ab 11 Uhr, wird
den Besuchern die Möglichkeit geboten, bei einem Schnupperflug die
Umgebung und vielleicht das eigene Haus einmal aus der Luft zu sehen.
Diese Schnupperflüge mit Ultraleicht-Flugzeugen und Ballonfahrten
mit einem Heißluftballon können gebucht, aber auch an beiden Tagen
mit ein wenig Glück bei einer Verlosung gewonnen werden.
Dazu gibt es Livemusik und eine professionelle Betreuung für Kinder.
Wer es am kommenden Wochenende nicht nach Müggenhausen schafft,
der kann die Ultraleicht-Fluggruppe "Nordeifel" auch an einem anderen
Tag besuchen. "Am Wochenende ist bei uns immer Betrieb", sagt Werner
Karg, schaut an den Himmel und stellt zufrieden fest: "Das Wetter
scheint sich zu halten. Ich glaube, heute Nachmittag gehe ich noch
mal hoch."
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Werner Karg nahm BLICKPUNKT
AM SONNTAG-Redakteur Torsten Beulen mit auf einen Rundflug mit
seinem Ultraleichtflugzeug über die Heimat. Aus 300 Metern
Höhe wirken die Windräder bei Lommersum wir zerbrechliche
Streichhölzer.
FOTO: TORSTEN BEULEN
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