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überlebt man einen Absturz

VON PATRIK REINARTZ Eigentlich will ich gar nicht einsteigen. Und Werner Karg, der Vorsitzende der Ultraleicht-Fluggruppe Nordeifel, macht mir auch gleich Hoffnung: Ob es heute klappen würde mit dem Fliegen, wisse er noch nicht so genau. "Kein Problem, muss auch nicht sein", entgegne ich. Eine Reportage über die tollkühnen Piloten auf dem Flugplatz in Müggenhausen, so rede ich mir tolldreist ein, lässt sich doch sowieso viel besser vom Boden aus anfertigen. Was natürlich glatter Selbstbetrug ist. In erster Linie habe ich einfach Angst. Die Lage entspannt sich ein bisschen, als Werner Karg mich erst mal über den Flugplatz führt und mir mit fachkundigen Worten alles Wissenswerte erläutert. Die Piloten, denen wir bei dem Rundgang begegnen, scheinen so gar keine Kerle vom Schlag "lebensmüde Kamikaze-Flieger" zu sein. Durch die Bank wirken sie besonnen, eifrige Bastler allesamt, die ganz genau zu wissen scheinen, was sie da tun. Dann geht´s weiter zur Start- und Landebahn. Da rollt Siegbert Schell mit seiner "Fascination" vor, einer der schnellsten Ultraleicht-Maschinen überhaupt. In der Spitze bringt es die Maschine auf 300 Stundenkilometer. Eine Information, die mein Magen mit einem leichten Grummeln kommentiert. Hat zum Glück keiner gehört. Es ist auch gleich wieder Ruhe in der Bauchgegend. Im Gegenzug steigt die Verwunderung. Denn auf dem Co-Piloten-Sitz hat Alicia platzgenommen, die vierjährige Tochter von Siegbert Schell. Ob sie denn gar keine Angst habe, frage ich das Mädchen. Natürlich aus rein objektivem journalistischen Interesse. Nein, antwortet Alicia, sie sei schon so oft mitgeflogen, das mache ihr überhaupt nichts mehr aus. Aber schließlich ist Furcht ja keine Frage des Alters. Ein bisschen Mut habe ich mittlerweile dennoch geschöpft. Was sich noch verstärkt, als Werner Karg mir erklärt, dass alle Ultraleicht-Flugzeuge mit einem Fallschirm ausgerüstet sind, der sich im Notfall binnen einer Sekunde per Raketenzündung öffnet. Am Fallschirm baumelt dann das komplette Flugzeug mitsamt der Insassen. Kontrollieren lässt sich die Maschine dann zwar nicht mehr. Aber immerhin: In der Regel überlebt man, wie Werner Karg glaubhaft versichert. Irgendwie hat der Mann mich jetzt so weit. Als er anbietet, mich doch spontan mit in die Lüfte nehmen zu können, sage ich zu. Zum Glück, muss man im Nachhinein sagen. Denn das Fluggefühl in der Ultraleicht-Maschine, die sich langsam auf eine Höhe von 200 Metern schraubt, ist ein ganz anderes als in großen Passagiermaschinen. Die Aussicht vom Cockpit aus ist schlichtweg atemberaubend. Der Blick weitet sich: auf Weilerswist und die umliegenden Dörfer, auf Euskirchen und Rheinbach. "Von oben sieht die Welt ganz anders aus" - das ist, gelinde gesagt, eine Plattitüde. Und doch enthält der Satz eine fundamentale Wahrheit: In luftiger Höhe kann einem manchmal schlagartig klar werden, dass vieles im Leben nur eine Frage der Perspektive ist.


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